Eignungsprüfung von Grundwassermessstellen gemäß DVGW-Arbeitsblatts W 129
Der Betrieb einer Grundwassermessstelle (GWM) setzt bei der Einrichtung der Messstelle eine sorgfältige Planung, Ausführung und Dokumentation sowie eine die Bautätigkeit begleitende Überwachung durch eine Fachfirma voraus. Nach Fertigstellung der GWM oder bei Aufnahme bestehender GWM in das Messnetz ist eine regelmäßige Überprüfung notwendig, um deren Funktionsfähigkeit langfristig zu sichern bzw. bei Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.
Die erste Funktionsprüfung erfolgt bereits bei der Abnahme der Messstelle nach Fertigstellung und deren Überführung in den regulären Messbetrieb, wie im o. g. Merkblatt beschrieben. Dabei wird der korrekte vertragsgemäße Ausbau verifiziert und dokumentiert, womit ein Referenzzustand für spätere Untersuchungen hergestellt wird.
Die ordnungsgemäße Funktion bzw. die Funktionsfähigkeit der Grundwassermessstelle ist erfüllt, wenn:
- Erfassung des Wasserstandes
- Erfassung natürlichen und anthropogen beeinflussten Grundwasserbeschaffenheit
- kontinuierliche Gewinnung qualitätsgerechter Parameter der Grundwasserbeobachtung
Funktionsprüfungen (FP) an GWM sind anlassbezogene oder turnusmäßige mit verschiedenen optischen, hydraulischen und geophysikalischen Testverfahren durchgeführte Untersuchungen, um die ordnungsgemäße Funktion der GWM zur Gewährleistung eines dauerhaften Betriebs festzustellen.
Je nach Netzart (Grundwasserstand, Grundwasserbeschaffenheit) und Betriebsweise (Messturnus, ggf. auch unter Berücksichtigung von Einbauten der Messstelle und bei Sonderbauten) werden unterschiedliche Verfahren – meist in Kombination, ggf. auch gestaffelt – angewendet.
Je nach Messstellentyp, Ausbaudurchmesser und Ausbaumaterial sind diese Verfahren unterschiedlich geeignet, um die Funktionsfähigkeit im Einzelfall einzuschätzen. Daher sind die innerhalb von Funktionsprüfungen angewendeten Verfahren auf die o. g. Bedingungen zu prüfen und für jeden Messstellentyp bzw. jede Netzart ein bis zwei Verfahrenskombinationen zu entwickeln. Diese werden dann anlassbezogen oder turnusmäßig angewendet, ggf. auch im Wechsel (z. B. große, kleine Untersuchung).
Erstuntersuchung vor Ort
Es ist eine Befahrung und Erstuntersuchung durchzuführen. Dabei werden folgende Arbeiten realisiert:
- äußere Zustandsprüfung: visuelle Begutachtung (z. B. vorhandene Schutzeinrichtungen, Prüfung von Lage und Zugänglichkeit),
- innere Zustandsprüfung: Wasserstands- und Sohllotung,
- bei Standsmessstellen i. d. R. Auffüllversuch und
- bei Beschaffenheitsmessstellen Kurzpumpversuch mit Aufzeichnung der Leitkennwerte.

Erstbewertung der Grundwassermessstelle
Sofern die GWM zur Übernahme in das Messnetz vorgesehen ist, wird nach der Auswertung der gewonnenen Vor-Ort-Ergebnisse ein Abgleich mit den ggf. eigenen Stamm- und Bewegungsdaten erforderlich. Ferner ist eine Entscheidung zu treffen, ob eine weitere Prüfung der Grundwassermessstelle mittels einfacher oder komplexer FP erforderlich ist.

Kriterien zur Eignung der GWM für den Messbetrieb sind:
- Lage und Flächennutzung am Standort, Zugänglichkeit der Messstelle,
- Information über Eigentümer und/oder andere Betreiber der Messstelle (vertragliche Sicherung),
- Information über Eigentümer/Pächter des Grundstücks (liegenschaftliche Sicherung),
- regelkonformer Ausbau,
- allgemeiner baulicher Zustand,
- Alter der Messstelle und
- Ausbaumaterial (Stahl oder Kunststoff).
Bei festgestellter Funktionsfähigkeit und Eignung kann die Messstelle in den Routinebetrieb überführt werden. Ist dies nicht eindeutig feststellbar, kann eine einfache Funktionsprüfung erfolgen bzw. diese als Bedingung zur Übernahme der Messstelle vereinbart werden.
Indikatoren für anlassbezogene Untersuchungen im Messbetrieb
Feldindikatoren
Feldindikatoren werden bei der Befahrung bzw. Beprobung der Messstelle ermittelt und sind vor Ort zu dokumentieren.
- Sichtbare Schäden:
Hierzu zählen u. a. der Aufbruch der Messstelle, Beschädigungen der Verschlusskappe und Schäden/Risse am Schutzmantel (Hinweis auf eine mögliche Kollision). Oberflächennah entdeckte Verschmutzungen oder Verstopfungen können die Funktion der Messstelle unterschiedlich stark beeinträchtigen. - Nicht sichtbare Schäden:
Schäden, die nicht sofort bzw. nur mit entsprechender Technik erkennbar sind (z. B. Wurzeleinwuchs im Filterbereich der Messstelle), werden möglicherweise zunächst nur als „Hindernis“ protokolliert. Im Nachgang erfolgt dann eine entsprechende Funktionsprüfung. - Differenz zur Vorlotung:
Die Sohllotung der Messstelle wird grundsätzlich bei jeder Probennahme im Routinebetrieb durchgeführt und protokolliert. Bei Standsmessstellen kann dies halbjährlich oder jährlich erfolgen. Ist dabei eine deutliche Abweichung zum Ergebnis der vorherigen Lotung festzustellen (z. B. Abnahme der Sohltiefe > 10 Zentimeter/Jahr), kann davon ausgegangen werden, dass im Bereich der Sohle bzw. des Schlammfanges der Messstelle erhebliche Ablagerungen oder Hindernisse vorhanden sind. Es können auch Ergebnisse einer Erstlotung oder Angaben aus der Ausbauzeichnung verwendet werden. - Ablagerungen und Trübungserscheinungen an der Messtechnik:
Trübungen nach Beginn des Abpumpens können von Schwebstoffen oder aufgewirbelten Ablagerungen verursacht sein. Durch Beobachtung des Wassers im Förderstrom (Messzelle, Becher) ist zu prüfen, ob Trübungen bzw. Gasblasen aus dem Grundwasser stammen oder technisch bedingt sind (Rohrverschraubungen, Undichtheiten). Um Fehlinterpretationen zur Funktionsfähigkeit auszuschließen, ist ein Abgleich mit den Protokollen aus vorangegangenen Probennahmen durchzuführen.
Folgende Hinweise auf konkrete stoffliche Veränderungen liegen vor (/6/, ergänzt):
Farbe der Ab-/Anlagerungen:
– braun – Eisenverbindungen
– schwarz – Manganverbindungen
– weiß – Versinterung durch Calciumkarbonat
Farbe der Trübungserscheinungen:-
– braunes oder rotes Wasser – Eisenverbindungen
– graues Wasser – verschiedene Mikroorganismen, Tonpartikel
– schwarzes Wasser – Manganverbindungen
– gelbes und braunes Wasser – Huminstoffe
Weiterhin können geruchliche Veränderungen Hinweise auf eine mögliche Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit der GWM geben.
Folgende Handlungsoptionen werden zur Mängelbeseitigung an GWM empfohlen
Kriterien und Handlungsoptionen zur Mängelbeseitigung an Grundwassermessstellen
| Netzart | Indikator | Kriterium | Handlungsoptionen |
| Stand/ Beschaffenheit | sichtbare Schäden | mechanische Beschädigung, Verschmutzungen, Verstopfungen | a) ggf. unmittelbare Beseitigung von Schäden / Hindernissen b) Sicherung der GWM c) Sanierung der GWM d) Ersatz |
| Stand/ Beschaffenheit | nicht sichtbare Schäden | Verstopfungen, Hindernisse, innere Beschädigungen | a) Protokollierung b) Entfernung c) Ersatz |
| Stand/ Beschaffenheit | Differenz zur vorherigen Lotung der Sohle | > 10 cm (bei jährlicher Untersuchung) | a) Beseitigung von Ablagerungen im Schlammfang b) Beseitigung des Hindernisses/des Sedimentbelages an den Filterschlitzen c) Ersatz |
| Beschaffenheit | Ablagerungen/ Trübungserscheinungen an der Messtechnik | individuell festlegen | a) Prüfung der Pumpenposition b) Korrektheit der Funktionsweise der Messtechnik |
Leitparameterabweichungen
Die Beobachtung und Auswertung von Abweichungen folgender Feld- bzw. Leitparameter zur Einschätzung des Erreichens des hydraulischen Kriteriums und der hydrochemischen Kriterien über einen längeren Zeitraum grundsätzlich geeignet sind:
- elektrische Leitfähigkeit,
- pH-Wert,
- Sauerstoffgehalt,
- Wassertemperatur und
- Wasserspiegeldifferenz
Wird der Abweichungsschwellenwert für die Leitfähigkeit überschritten, ist die GWM zu überprüfen. Auch wenn der Schwellenwert in Bezug auf die Wasserspiegeldifferenz noch nicht erreicht ist, bedarf die GWM besonderer Beachtung. Denn die Tendenz der Einzelwerte weist auf eine Verringerung der Durchlässigkeit hin.
Die nachfolgend genannten Abweichungsschwellenwerte sind erste Anhaltspunkte und werden in der Praxis weiter geprüft und fortentwickelt.
Schwellenwerte zur Bewertung signifikanter Abweichungen der Leitparameter in Bezug auf das Beschaffenheitskriterium der Probennahme
| Parameter | Abweichungs- schwellenwert |
| Leitfähigkeit | 35 % |
| pH-Wert | ± 0,5 |
| Sauerstoffgehalt | ± 2,5 mg∙l-1 |
| Temperatur | ± 3 K |
| Wasserspiegeldifferenz | 300 % |
OPTIONAL: Filterwiderstandsänderung:
Eine Veränderung der Filterwiderstände bei Kurzpumpversuchen mit gleicher Förderleistung kann Hinweise auf Alterungsprozesse geben. Dies setzt voraus, dass eine einmalige Bestimmung einer entsprechenden Kenngröße wie z. B. k F-Wert oder T-Wert vorliegt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der Filterwiderstand durch einen weiteren Pumpversuch mit Auswertung der Absenkungs- und Wiederanstiegsphase überprüft, da eine Probennahme allein nicht ausreichend ist. Diese Vorgehensweise eignet sich insbesondere dann, wenn sich die Ergiebigkeit der GWM verändert hat und die Förderrate an die hydraulischen Bedingungen in der GWM anzupassen war.
| Netzart | Indikatoren | Kriterium | Handlungsoptionen |
| Beschaffenheit | Entwicklung der Wasserspiegeldifferenz bei der PN | deutliche Zunahme über mehrere Probennahmen / Sprünge | a) Spülung der GWM b) FP |
| Beschaffenheit | Leitparameter- abweichungen | Abweichungs- schwellenwert | a) Prüfung des Ausbaus b) Ausschluss einer Verwechslung von GWM c) FP |
| Stand/ Beschaffenheit | OPTIONAL: Filterwiderstands- änderung | > 0,1 m/a (bei mehrjähriger Auswertung) | bei Feststellung einer zeitlich verschlechterten Anbindung der GWM an den Grundwasserleiter: a) Spülen b) Ausblasen der GWM c) FP |
| Stand | Ganglinienvergleich | deutlicher Trend in Differenzganglinie | a) Ausreißertests und Elimination der Ausreißer b) Plausibilitätsprüfung der Messwerte |
Turnusmäßige Untersuchungen
Als Alternative zu anlassbezogenen Untersuchungen sollten turnusmäßige Untersuchungen zur FP realisiert werden (siehe dazu auch /2/). In zeitlich fixierten Turnussen sind eine einfache bzw. eine komplexe FP durchzuführen.
Folgende zeitliche Turnusse für den Messnetzbetrieb kommen in Frage:
- Turnus 1: einfache FP – ein-/ zweimal jährlich bis fünf Jahre und
- Turnus 2: komplexe FP – alle 10 bis 15 Jahre.
In Gebieten, in denen eine hydrochemisch negative Beeinflussung zu erwarten ist (z. B. Ausfällungen, Biofilme), sind die Turnusse zu optimieren.
Einfache Funktionsprüfung
Durch die Methoden der einfachen FP sollen die generelle Funktionstüchtigkeit einer Messstelle beurteilt und mögliche Hinweise auf Funktionsstörungen erbracht werden. Die äußere Zustandsprüfung ist bei jeder Maßnahme an einer Grundwassermessstelle durchzuführen. Der Wasserstand und die Sohltiefe werden ein- bis zweimal pro Jahr ermittelt.
Der Untersuchungsumfang der einfachen FP beinhaltet folgende – auch optional anwendbare – Maßnahmen.
Übersicht über die empfohlenen Verfahren der einfachen Funktionsprüfung
| Verfahren | zu messende und aufzuzeichnende Parameter | Anwendung Fest (F)- / Locker(L)- gestein |
| äußere Zustandsprüfung | visueller Zustand, u. a. Schutzrohr, Betonsockel, Verschmutzungen, Verstopfungen (bei jeder Maßnahme an der GWM) | F, L |
| Wasserstands- und Sohlenmessung | Wasserstand, Tiefenlage der Sohle (ca. 1 bis 2 mal pro Jahr) | F, L |
| Auswertung der Probennahme1); OPTIONAL bei Standsmessstellen Kurzpumpversuch | zeitliche Aufzeichnung von Förderrate, Abpumpvolumen und Wasserspiegelabsenkung (ca. 1 bis 2 mal pro Jahr) | F, L |
| OPTIONAL: Auffülltest nach Natermann | zeitliche Aufzeichnung der Absenkung nach Auffüllen (alle 3 – 5 Jahre oder bei Auffälligkeiten) | F, L |
| OPTIONAL: SAL-Temp- Messung | Tiefenprofil der elektrischen Leitfähigkeit und Temperatur (alle 3 – 5 Jahre oder bei Auffälligkeiten) | vorwiegend F |
| OPTIONAL: Dummytest | Durchgängigkeit des Bohrlochs (bei Auffälligkeiten) | F, L |
Äußere Zustandsprüfung:
Zunächst ist der äußere Zustand der Messstelle visuell zu prüfen. Folgende Fragen
dienen der Beurteilung des visuellen Zustandes:
- Steht das Schutzrohr einschließlich Betonsockel lotrecht? Sind Beschädigungen erkennbar?
- Sind das Schutzdreieck oder die Pegelfahne beschädigt?
- Ist die Pegelkappe vorhanden, funktionstüchtig und verschlossen?
- Weist die GWM Verschmutzungen auf?
- Sind Fremdkörper im Inneren der Messstelle erkennbar?
Folgende Anzeichen deuten auf äußere Einwirkungen hin, welche die
Funktionstüchtigkeit der GWM mehr oder weniger stark beeinflussen können:
- nicht lotrechte Schutzrohre, versetzte Betonsockel sowie beschädigte Schutzdreiecke,
- Risse in der oberflächennahen Verrohrung bzw. Versatz der Rohrelemente,
- fehlende, beschädigte, oder nicht verschlossene Pegelkappen sowie mögliche Verstopfungen der GWM,
- starke Verschmutzungen,
- Fremdkörper oder Tiere im Inneren der Messstelle, wie z. B. Insekten (insbesondere Ameisen),
- Verockerungen, Oxidationsrückstände (insbesondere starker Rost) oder anderweitige (z. B. biologische) Ablagerungen.
Lotung der Sohle:
Vor jeder Probennahme, welche i. d. R. ein- bis zweimal pro Jahr durchgeführt wird, ist die Sohle der GWM mittels eines Tiefenlotes (eventuell mit Grundtaster) zu messen. Bei Standmessstellen ist ein Lotungsturnus zu wählen, der etwa dem Probennahme Turnus entspricht. Die Lotung wird in Meter unter Messpunkt angegeben und ist zu dokumentieren. Mittels der Lotung kann auf die Durchgängigkeit und die freie Lage des Filterbereiches geschlossen werden. Der gemessene Wert der Schlammsohle dient der Beurteilung, ob Maßnahmen zum Freispülen der GWM erforderlich sind. Folgende Möglichkeiten können bei der Lotung auftreten:
- gemessene Sohle entspricht der Ausbauteufe keine Maßnahmen nötig,
- gemessene Sohle ist flacher als die Ausbauteufe, aber tiefer als die Filterunterkante (Verschlammung des Sumpfrohres) noch keine Maßnahmen nötig,
- gemessene Sohle ist flacher als die Filterunterkante, aber tiefer als die Filteroberkante (Filter ist teilweise verstopft) Freispülung ist dringend erforderlich und
- gemessene Sohle ist flacher als die Filteroberkante (Filter ist komplett verstopft)
Freispülung ist dringend erforderlich, sofern noch möglich.
Vor Durchführung der Lotung der Sohle sind unbedingt sämtliche Einbauten, wie z. B. Drucksonden oder Datenlogger, aus der GWM zu entfernen.
Auswertung der Probennahme oder bei Standmessstellen OPTIONAL Kurzpumpversuch (vgl. Anhang, Abs. III.1):
Jede Pumpprobennahme kann als Kurzpumpversuch (KPV) betrachtet werden. Die bei der Probennahme gewonnenen hydraulischen Daten geben vor Ort Hinweise auf mögliche hydraulische Beeinträchtigungen bzw. Veränderungen der GWM. Aus diesem Grund sind die hydraulischen Daten (Förderrate, Abpumpvolumen und Wasserspiegelabsenkung) während jeder Probennahme sorgfältig mit zeitlichem Verlauf aufzuzeichnen, zu dokumentieren und auszuwerten. Bei Standmessstellen kann zusätzlich ein KPV durchgeführt werden und dazu eine entsprechende Auswertung erfolgen.
Folgende Fragestellungen sollten im Rahmen von KPV bzw. Pumpprobennahmen beantwortet werden:
- Hat sich der Betrag der Wasserspiegelabsenkung bei gleichbleibender Förderrate im Vergleich zu vorangegangenen Probennahmen verändert?
- Stellt sich während des Abpumpens ein konstanter Wasserspiegel ein?
- Wird die Förderrate verringert, um konstante hydraulische Verhältnisse zu erreichen (Gleichgewicht zwischen Grundwasserzustrom und Förderrate)?
- Wird das Abpumpvolumen und somit die Abpumpdauer erhöht, um eine Konstanz der Leitkennwerte (Wassertemperatur, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt, Redoxpotential) zu erreichen?
- Ist das hydraulische Kriterium erreichbar?
Es ist zu beachten, dass diese Kriterien nicht uneingeschränkt anwendbar sind und zudem eine gute Kenntnis der hydraulischen Gegebenheiten an der GWM erforderlich ist.
OPTIONAL Anwendbare Verfahren
Die nachfolgenden Methoden zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit von GWM erfordern einen etwas größeren zusätzlichen Aufwand als die oben beschriebenen und sind deshalb als optionale Verfahren aufgeführt. Sie sollten daher nicht bei jeder Maßnahme oder Probennahme durchgeführt werden, sondern nur bei Anzeichen von Funktionsstörungen Anwendung finden. Da es sich dennoch um relativ einfach durchzuführende Verfahren handelt, die auch ohne großen technischen Aufwand durchführbar sind, werden sie mit im Rahmen der einfachen FP betrachtet.
- Auffülltest (vgl. Anhang, Abs. III.4)
Neben dem Kurzpumpversuch kann mittels Auffülltest überprüft werden, ob die GWM ausreichend mit dem Grundwasser in Verbindung steht. Dadurch können Hinweise auf mögliche Funktionseinschränkungen der Messstelle gewonnen werden.
- SAL-TEMP-Messung (vgl. Anhang, Abs. II.7):
Ein SAL-TEMP-Log sollte insbesondere dann durchgeführt werden, wenn im Rahmen einer Grundwasserprobennahme Auffälligkeiten bei der hydrochemischen Beschaffenheit, den Vor-Ort-Leitkennwerten oder der hydraulischen Reaktion (verändertes Absenkverhalten) beobachtet wurden.
Vor der Durchführung sollte mittels Dummy-Test (siehe unten) die GWM unbedingt auf Durchgängigkeit untersucht werden.
- Dummy-Test
Der Dummy-Test dient zur Untersuchung der Durchgängigkeit einer GWM. Durch den
Dummy-Test können auch unerwünschte Verjüngungen des Innendurchmessers, z. B. durch Verockerungen oder Wurzelwuchs im Filterbereich, festgestellt werden. Damit kann der Test auch zur Gewinnung erster Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Funktionstüchtigkeit einer GWM genutzt werden. Vor Durchführung des Dummy-Tests sind alle Einbauten aus der GWM zu entfernen
Komplexe Funktionsprüfung
Turnusmäßig sind komplexe FP durchzuführen. Nachfolgend sind die wichtigsten Verfahren der komplexen FP tabellarisch erfasst. Prinzip der komplexen FP sollte immer sein, dass die staatliche Stelle oder ein anderer Betreiber den Auftrag an ein qualifiziertes Unternehmen vergibt, da die Verfahren der komplexen FP meist eine hohe Spezialisierung und einen entsprechenden technischen Aufwand erfordern. Tabelle 4-2 gibt eine Übersicht zu empfohlenen Verfahren der komplexen FP.
Übersicht über die empfohlenen Verfahren der komplexen Funktionsprüfung
| Verfahren | Zu messende und aufzuzeichnende Parameter | Anwendung Fest (F)- / Locker(L)-gestein |
| Kamerabefahrung (OPT) | Tiefenprofil der visuellen Beschaffenheit des Innenausbaus | F, L |
| Kaliber- bzw. Mikro-Kaliber Log (CAL-M) | Tiefenprofil des Ausbaudurchmessers | F, L |
| Gamma-Ray-Log (GR | Tiefenprofil der natürlichen Radioaktivität (Gamma-Strahlung) | F, L |
| Gamma-Gamma-LOG (GG) | Tiefenprofil der Streuung von Gamma-Strahlung im Gestein (Rückschluss auf Hinterfüllungsdichte) | F, L |
| Neutron-Neutron-Log (NN) | Tiefenprofil thermischer Neutronen nach Abbremsung schneller Neutronen (Rückschluss auf Porosität über den Wasserstoffgehalt) | F, L |
| Magnetik-Log (MAG)* | Tiefenprofil der magnetischen Suszeptibilität der Hinterfüllung | vorwiegend F |
| Widerstandsmessungen in fokussierter Anordnung (FEL) | Tiefenprofil des spezifischen elektrischen Hinterfüllungswiderstandes | vorwiegend F |
| Kurzpumpversuch (KPV) | Zeitlicher Verlauf der GW-Spiegelabsenkung und der Abpumprate | vorwiegend L |
| Packerflowmetermessung (FW-PACK) | Tiefenabhängige Fließgeschwindigkeit des Grundwassers in der GWM | F, L |
| Messung der Salinität (SAL) und Temperatur (TEMP) | Tiefenprofil der Salinität und Temperatur des Grundwassers in der GWM | F, L |
| OPTIONAL: Auffüllversuch | Zeitlicher Verlauf der Absenkung nach Zugabe von Wasser in der GWM | L |
| OPTIONAL: 12-Stunden- Leistungspumpversuch analog Messstellenabnahme | Abhängigkeit der GW-Spiegelabsenkung in der GWM von der Förderrate | L |
Die komplexe FP endet mit einer Bewertung zur Funktionsfähigkeit der Messstelle und dem Ergebnis
- funktionsfähig,
- eingeschränkt funktionsfähig oder
- nicht funktionsfähig.
Dokumentation und Qualitätssicherung der Ergebnisse der Funktionsprüfung
Dokumentation
Die durchgeführten Arbeiten zur einfachen FP von Grundwassermessstellen sind wie folgt zu dokumentieren:
- Beschreibung des äußeren Zustandes der GWM,
- Ergebnisse der Wasserstandsmessung und Sohllotung (Ergebnis bzw. Eintrag in den Messstellenpass),
- bei Durchführung einer Probennahme: Zusammenstellung der Ergebnisse oder optional Kurzpumpversuch bei Standmessstellen,
- Ergebnis des Auffülltests (OPTIONAL),
- Resultate der SAL-TEMP-Messung (OPTIONAL),
- Fazit aus dem Dummy-Test (OPTIONAL).
Eine Möglichkeit zur Dokumentation der einfachen FP ist in Anlage 1 dargestellt. Die durchgeführten Arbeiten zur komplexen FP von Grundwassermessstellen sind wie folgt zu dokumentieren:
- Schematische Darstellung des SOLL-Ausbaus der Grundwassermessstelle gemäß der Messstellendokumentation (sofern nicht vorliegend) und
- Schematische Darstellung des IST- Ausbaus nach Bohrlochgeophysik mit
– bohrlochgeophysikalischen Messkurven als Plot,
– Auswertung und Interpretation der geophysikalischen Messungen,
– Protokoll zur Funktionsprüfung der GWM,
– Auswertung der KPV oder Packertests,
– Fotodokumentation und Videos der Kamerabefahrungen an den GWM und
– zusammenfassender Bewertung für jede GWM.
Zusätzliche, aus der komplexen FP gewonnene Daten und Erkenntnisse sind ebenfalls zu dokumentieren. Die vollständige Dokumentation der funktionsüberprüften Grundwassermessstellen sind dem Auftraggeber zu überlassen.

